Einfach schwimmen

Technik, 13.10.26
Claudia Stieglecker
Im deutschen Stuttgart wurde im September das erste Hallenbad in Holzmodulbauweise fertiggestellt, das von Beginn an für mehrere Standorte konzipiert wurde.

Das modulare Hallenbad „Aquabox“ in Stuttgart verfügt über alle Eigenschaften eines modernen Hallenbads. Herzstück ist ein 25 Meter langes Edelstahlbecken mit fünf Schwimmbahnen und einem Teilhubboden, der unterschiedliche Wassertiefen ermöglicht. Ergänzt wird die Anlage durch moderne Wasseraufbereitungstechnik, Wärmerückgewinnung, Photovoltaik und ein energieeffizientes Wärmepumpensystem. Das Bad wurde von der POOL out of the BOX GmbH mit der Architektur von 4a Architekten und in Zusammenarbeit mit der Schweizer Holzbaufirma Blumer Lehmann und Fachpartnern für Wasser-, Energie-, Gebäudetechnik und Edelstahlschwimmbecken entwickelt.

VORGEFERTIGTE RAUMEINHEITEN

Der zweigeschossige Funktionsriegel mit Foyer, Umkleiden, Sanitäranlagen, Personalräumen und Technikflächen wird aus insgesamt 46 Holzmodulen gebildet. Die Module entstanden im deutschen Werk von Blumer Lehmann als vorgefertigte Raumeinheiten. Neben den tragenden Bauteilen wurde bereits ein Teil der technischen Installationen integriert, bevor die Module auf die Baustelle transportiert und montiert wurden.

HOHE ANFORDERUNGEN

Mit dem Hallenbad in Holzmodulbauweise habe man Neuland betreten, so Blumer Lehmann: Hohe Luftfeuchtigkeit, chlorhaltige Atmosphäre, unterschiedliche Klimazonen und komplexe haustechnische Anlagen stellen höchste Anforderungen an Konstruktion und Gebäudehülle. Besonderes Augenmerk galt dabei den Modulstößen, die dauerhaft luft- und wasserdicht funktionieren müssen. Gleichzeitig sollten sämtliche Verbindungen später wieder lösbar sein, um den geplanten Rückbau des Gebäudes zu ermöglichen.

HOLZBAUSYSTEME IN KOMBINATION

Eine weitere Besonderheit liege in der Kombination unterschiedlicher Holzbausysteme, heißt es weiter. Neben der Modulbauweise für die Funktionsbereiche wurde die eigentliche Badehalle als modularer Elementbau ausgeführt. Großformatige Brettschichtholzträger mit Spannweiten von mehr als 19 Metern bilden die Tragstruktur des Hallendachs. Dachelemente aus Brettsperrholz mit Akustikverkleidung sowie vorgefertigte Wandbauteile werden auf der Baustelle montiert und mit den Modulen verbunden.

SCHWERE LAST

Im gefüllten Zustand bringt das 25 Meter lange Edelstahlbecken einschließlich Wasser rund 770 Tonnen auf die Waage. Um diese Lasten sicher aufzunehmen, entwickelte Blumer Lehmann eine spezielle Tragkonstruktion aus Brettsperrholzelementen. Wandartige CLT-Träger bilden ein räumliches Tragwerk, das die enormen Kräfte kontrolliert in die Gründung ableitet. Gleichzeitig musste die Konstruktion so geplant werden, dass sie sich in das modulare Gesamtkonzept integriert und die spätere Demontage des Beckens weiterhin möglich bleibt.

BAUEN UND DEMONTIEREN

Die größte Besonderheit der „Aquabox“ in Stuttgart ist jedoch, dass hier bereits während der Entwicklung an den späteren Umzug gedacht wurde: Schraubverbindungen ersetzen dauerhafte Verklebungen, Fassadenelemente lassen sich demontieren und technische Anlagen wurden exakt auf die Modulgröße dimensioniert und so konzipiert, dass sie an neuen Standorten wieder angeschlossen werden können. Das Bad wird in Stuttgart während der Errichtung von Ersatzneubauten der Stadtteilbäder als temporäre Ersatzwasserfläche den Schwimm- und Badebetrieb aufrechterhalten – erst in Zuffenhausen, danach in Möhringen. Schließlich soll es erneut demontiert, nach Untertürkheim versetzt und dort dauerhaft betrieben werden.