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Wald: Nach unten schauen

Im Zentrum des Projekts standen zwei Fragen: Wie kann nachhaltiges Parkett mit Holzarten hergestellt werden, die bisher wenig oder nicht genutzt wurden, aber auch in Zeiten des Klimawandels als Ressource zur Verfügung stehen werden? Und wie kann Holz so funktionalisiert werden, dass es durch mechanische Verformung – wenn etwa Menschen darüber gehen – genügend elektrische Spannung erzeugt, um beispielsweise als Sensor zu dienen? Eichenholz ist aufgrund seiner Härte und Optik die bevorzugte Wahl für Parkett, jedoch begrenzt verfügbar. Zudem erhöht der Wettbewerb durch kostengünstige Holzimitate aus Plastik den Druck auf den Markt. Wie können diese Herausforderungen also nachhaltig adressiert werden?
Die Forschenden suchten daher nach Alternativen und entschieden sich für Pappelholz, das bisher zwar für die Parkettherstellung keine Bedeutung hat. Pappeln sind recht widerstandsfähig gegen die Klimaveränderungen, ihr Holz ist jedoch weicher als Eichenholz. Daher wurde es mit „grüner Chemie“ modifiziert und verdichtet, wobei Lignin, ein Nebenprodukt der Papierproduktion, zum Einsatz kam. Das Ergebnis sei überzeugend, so die Empa: ein nachhaltiges, widerstandsfähiges Parkett, vergleichbar mit Eichenparkett.
Im zweiten Teilprojekt wurde untersucht, wie Parkett so modifiziert werden kann, dass durch die Bewegung von Menschen elektrische Spannung erzeugt wird. Wird Holz mechanisch beansprucht, entsteht eine geringe elektrische Spannung durch den sogenannten piezoelektrischen Effekt. Bei natürlichem Holz ist die Spannung jedoch zu klein, um genutzt werden zu können. Um diese zu steigern, wurde Rochelle-Salz, ein Nebenprodukt der Weinproduktion, in die modifizierte Holzstruktur eingebettet. In Verbindung mit Holz entsteht eine nachhaltige Hybridstruktur, die laut Empa erfolgversprechend und zudem recyclebar ist. In dieser Kombination kann das modifizierte Parkett als Sensor eingesetzt werden kann, da es durch die Bewegung von Menschen elektrische Spannung erzeugt.
Damit könnten in den Boden integrierte Sensoren beispielsweise an Türen oder unter Fenstern unbefugtes Betreten erkennen und automatisch ein Signal auslösen. Auf längere Sicht streben die Forschenden die Herstellung von stromerzeugendem Parkett an, vor allem stark frequentierte Orte wie Flughäfen oder Einkaufszentren bieten sich als Einsatzmöglichkeiten an. Auch das Tanzhaus Zürich zeigte bereits Interesse – die Herausforderung liege nun in der Skalierung und industriellen Umsetzung, heißt es.