Eichen sind nicht gern allein

Branche, 29.06.26
Claudia Stieglecker
Forschende der BOKU University haben gemeinsam mit Partnern nachgewiesen, dass isoliert stehende Eichen deutlich weniger Samen produzieren – und dabei auch den natürlichen Rhythmus der Fortpflanzung verlieren.

Im Zentrum der Studie standen Kalifornische Eichen, deren Samenproduktion über mehr als zehn Jahre in einer stark zerschnittenen Agrarlandschaft untersucht wurde. Viele der Bäume standen weit entfernt von anderen Eichen – mit überraschenden Folgen: Die isolierten Bäume erhielten zu wenig Pollen und produzierten dadurch deutlich weniger Eicheln. Normalerweise tragen Eichen in bestimmten Jahren gleichzeitig besonders viele Früchte – dieses Phänomen nennt man Mastsaat. Isolierte Bäume verlieren jedoch diesen gemeinsamen Rhythmus, und das bereits, wenn sie nur wenige hundert Meter voneinander entfernt stehen, informiert die BOKU University.

LANGFRISTIGE FOLGEN

Mastsaaten spielen unter anderem eine zentrale Rolle für die Naturverjüngung von Wäldern und für viele Tierarten, die sich von Samen ernähren. Wenn einzelne Bäume weniger Samen produzieren und nicht mehr synchron mit anderen Bäumen fruchten, kann dies langfristige Folgen für die Regeneration von Wäldern haben. Die Erkenntnisse seien auch für Österreich relevant, so die BOKU University: Auch hierzulande sehe man oft einzelne alte Eichen in Feldern oder Weinbergen stehen – es sei gut möglich, dass diese Bäume ähnliche Probleme haben und deshalb weniger erfolgreich Samen bilden.

ENGPÄSSE MÖGLICH

Auch bei heimischen Weißtannen führe die Fragmentierung von Beständen zu Pollenmangel und geringeren Keimraten. Angesichts der hohen Nachfrage nach klimaangepassten Baumarten könne dies bereits zu Engpässen bei der Aufforstung führen, heißt es weiter. Die Studie zeige, dass nicht nur der Klimawandel, sondern auch die Zerstückelung von Landschaften tiefgreifende Auswirkungen auf Wälder haben kann. Die Forschenden sehen darin einen wichtigen Hinweis für Naturschutz, Landschaftsplanung und Forstwirtschaft: Einzelbäume sind ökologisch wertvoll, benötigen für eine langfristig stabile Fortpflanzung aber ausreichend nahe Nachbarbäume derselben Art.