Erwärmung: Komplexe Waldböden

Branche, 28.04.26
Claudia Stieglecker
Eine Langzeitstudie in einem Bergwald der Nördlichen Kalkalpen in Tirol zeigt, dass sich Waldböden unter Erwärmung tatsächlich über viele Jahre verändern - allerdings anders als vielfach erwartet.

In einem seit fast zwei Jahrzehnten laufenden Freilandexperiment in Achenkirch wurde der Boden während der schneefreien Zeit um vier Grad Celsius erwärmt. Die CO₂-Abgabe aus dem Boden stieg im Schnitt um rund 13 Prozent pro Grad Erwärmung deutlich an und blieb auch nach 18 Jahren erhöht. Gleichzeitig nahmen die Kohlenstoffvorräte im Boden weniger stark ab als erwartet. Steigende Temperaturen erhöhen die CO₂-Freisetzung aus Waldböden zwar langfristig, verstärkte Kohlenstoffeinträge durch Baumwurzeln könnten allerdings einen Teil dieser Verluste kompensieren, informiert das Bundesforschungszentrum für Wald BFW.

MEHR FEINWURZELN

Die Forschenden führen dies vor allem auf Reaktionen der Baumwurzeln zurück: Unter wärmeren Bedingungen produzieren Bäume mehr Feinwurzeln, die sich schneller erneuern und mehr Kohlenstoffverbindungen in den Boden abgeben. Dadurch gelangt zusätzlicher Kohlenstoff in den Untergrund. Radiokarbonmessungen zeigen zudem, dass sich der organische Kohlenstoff im Boden teilweise „verjüngt“: Älterer Kohlenstoff wird demnach teilweise durch neuen, pflanzenstämmigen Kohlenstoff vor allem in tieferen Bodenschichten ersetzt.

LEBENSGEMEINSCHAFT

Das Bodenerwärmungsexperiment in Achenkirch zeigt auch, dass steigende Bodentemperaturen die Lebensgemeinschaft im Boden verändern. Während Bakterien kaum betroffen waren, reagierten Pilze deutlich sensibler – ihre Gesamtmenge nahm ab. Besonders auffällig sei der Wandel innerhalb der Pilze: Zersetzerpilze gehen zurück, während Mykorrhiza-Pilze, die in enger Partnerschaft mit Bäumen leben, in wärmeren Böden zunehmen. Diese Pilze beziehen den Kohlenstoff, den sie zum Leben brauchen, direkt aus den Baumwurzeln und tragen dadurch nicht zum Abbau, sondern zum Aufbau von Bodenkohlenstoff bei – möglicherweise ein wichtiger Mechanismus, um Bodenkohlenstoffspeicher auch unter wärmeren Bedingungen zu erhalten.

VIELSCHICHTIGKEIT

Die Studie verdeutliche, dass die Reaktion von Waldböden auf den Klimawandel komplex ist, so das BFW. Entscheidend sei nicht nur die Zersetzung organischer Substanz, sondern auch, wie Bäume Kohlenstoff über ihre Wurzeln in den Boden verlagern.