Glyvra School: zwischen Fjord und Fels

Architektur, 21.01.26
HOLZMAGAZIN Redaktion
Das dänische Studio Henning Larsen hat den Wettbewerb zur Neugestaltung und Erweiterung der Glyvra School gewonnen – und schlägt dafür nicht weniger als ein kleines Lern-Dorf vor.

Im Osten der Färöer, dort wo steile Berghänge auf den ruhigen Fjord treffen, entsteht ein Schulbauprojekt, das Architektur und Landschaft ungewöhnlich eng miteinander verwebt.

Der Entwurf folgt einer klaren Haltung: Natur ist nicht Kulisse, sondern Lehrmeisterin.

Die Architekt:innen orientieren sich am natürlichen Gefälle des Geländes: Statt das Terrain zu überformen, legt sich die Schule wie ein Cluster miteinander verbundener Baukörper in die Hänge. Die Gebäude öffnen sich in alle Richtungen, nehmen Grünflächen auf und verlängern den Innenraum weit in die Umgebung hinein. Tageslicht, Ausblicke auf den Fjord und geschützte Außenräume prägen das Konzept.

Mit diesem Projekt bringt Design Director Ósbjørn Jacobsen es auf den Punkt: Die Architektur soll Bewegung und Spiel in den schulischen Alltag verweben – Lernen findet drinnen wie draußen statt. Die Kinder werden nicht nur durch Räume, sondern durch eine Landschaft geleitet.

Die Neugestaltung richtet sich nicht allein an die etwa 500 zukünftigen Nutzer:innen im Alter von 5 bis 12 Jahren. Die Schule wird bewusst als Treffpunkt für den gesamten Ort gedacht. Wege führen bis hinunter zum Strand, Aktivitätszonen und Kunstinstallationen erweitern den Campus zum sozialen Zentrum von Glyvrar.

Besonders bemerkenswert ist die Integration des historischen Gebäudes Heimistovufjósið, eines Stalls aus den 1950er-Jahren. Dort entsteht eine neue Musikschule – sensibel ergänzt durch moderne Unterrichts- und Probenräume sowie einen kleinen Konzertsaal. Die Architekt:innen achten auf Proportionen und Materialien des Bestands und stärken zugleich das kulturelle Leben der Gemeinde.

Da die Schule während der gesamten Bauzeit in Betrieb bleiben muss, wird das Projekt in mehreren Etappen umgesetzt. Neue Gebäudeteile sollen zunächst bezogen werden, bevor bestehende Baukörper saniert oder ersetzt werden. Auftraggeber ist die Gemeinde Runavík, die zusammen mit Henning Larsen und Ramboll die wachsende Bevölkerung des Ortes im Blick hat.

Die neue Glyvra School versteht sich als Architektur aus der Landschaft, nicht gegen sie. Für die Färöer entsteht mit Glyvra School ein identitätsstiftender Ort, der zeigt, wie Bildungseinrichtungen zu lebendigen Dorfkernen werden können – mitten in einer Landschaft, die selbst Unterrichtseinheit ist.