Herz aus Holz

Technik, 08.04.26
Helena Zottmann
Holz ist gesund, behaglich und ökologisch – dieses Bewusstsein ist heute größer denn je. Trotzdem sind Häuser aus Holz noch immer eine Nische. Auch Holz-Holz-Verbindungen könnten im Modulbau eine größere Rolle spielen.

Rasch aufgestellt, sofort tragfähig und wohlig warme Oberflächen – der Massivholzbau erfreut sich wachsender Beliebtheit. Einer, der sich damit schon Jahrzehnte beschäftigt, ist Willibald Longin aus dem Waldviertel. Der Familienbetrieb baut seit dem Jahr 2.000 Häuser aus Vollholz, mit einem Produkt, das ohne Leime und Metallverbinder auskommt: Brettstapelholz. „Unsere Kunden haben schon immer ein starkes Bewusstsein für ökologisches Bauen und verstehen auch den Sinn einer Holz–Holz-Verbindung“, meint der Holzbauer.

Der Dübel mit wird in ein Bohrloch mit kleinerem Durch­messer einge­bracht und stellt zusammen mit dem Quellverhalten von Holz eine bombenfeste Verbindung her.

Holz-Holz-Erfindung

Brettstapelholz sind Vollholzwände aus Holzdielen, verbunden mit Holzdübeln. Das Produkt, das der Waldviertler Betrieb Londyb nennt, basiert auf einer Entwicklung aus den späten 1990er Jahren. Julius Natterer, ein deutscher Ingenieur, der in der Schweiz forschte und lehrte, entwickelte das Brettstapelholz mit Blick auf Materialrecycling: Natterer befand, dass abfallendes Material nicht ausschließlich in die Palettenindustrie gehen konnte. Hochwertige Reste müssten doch auch hochwertig weiterverwertet werden und so entwickelte er das vernagelte Brettstapelholz. Darin sah die Firma Longin im Waldviertel Anfang der 2000er das Potenzial einer Nische.

Moderne Technologie

Die verdübelten Dielen erhalten ihre statische Festigkeit durch den Feuchtigkeitsgradienten bei der Herstellung: Der Dübel ist trocken, die Dielen sind mit 12 % bis 14 % Holzfeuchtigkeit etwas feuchter. Mit modernsten Geräten sind inzwischen exakt maßhaltige Verbindungen möglich.„Der Dübel wird in ein Bohrloch mit kleinerem Durchmesser eingebracht und stellt zusammen mit dem Quellverhalten von Holz eine bombenfeste Verbindung her“, erklärt Longin. Es entsteht ein tragendes Bauteil von 10 cm Wanddicke. Mit 24 cm Dämmschicht und weiteren 6 cm Putzträger erzielt die Wand einen U-Wert und die Speichermasse wie Häuser im Niedrigenergie-Standard. Besonders im Hitzeschutz werde die hohe Speichermasse einen großen Vorteil bringen, so Longin.

Wohngesundheit und Ressourcenschonung

Dass Brettstapelholz materialrein und damit vollständig recycelbar ist, ist bei der Zielgruppe sekundär und laut Willibald Longin derzeit nicht das wichtigste Argument: „Auch einen metallischen Verbinder kann man wieder rausdrehen.“ Was zieht, ist die Wohngesundheit. Gerade im privaten Hausbau wünschen sich die Menschen leimfreie Verbindungen. „Insbesondere gesundheitsbewusste Menschen wollen möglichst alle chemischen Verbindungen im Raum ausschließen“, meint Sonja Ableitinger, zuständig für Architektur und das Londyb Brettstapelsystem bei Longin. Bei dieser Zielgruppe sind die leimfreien Vollholzwände ein tragfähiges Argument, aber auch Bauherr:innen könnten damit werben, meint Willibald Longin: „Es hat einen großen Mehrwert, wenn man wohngesundes Leben anbieten kann. Ich glaube, da tut sich gerade viel.“ Wie stark das Holz auch im Geschosswohnbau bereits angekommen ist, zeigt der Blick auf die Big Player in der Baubranche, die inzwischen eigene Holzabteilungen führen. „Heute traut man sich auch bei einem mehrgeschossigen Modulbau ohne weiteres auf Holz zurückzugreifen“, meint Willi Longin und er ist überzeugt: „Das große Bewusstsein für den Holzbau entsteht gerade“.

VIDEO: So funktioniert das LONDYB System