Holz-Hybrid: In Linz beginnt’s

Architektur, 07.07.26
Claudia Stieglecker
Mit dem neuen Headquarter der Raiffeisenlandesbank OÖ im Linzer Neustadtviertel soll ein Leuchtturmprojekt für klimabewusstes Bauen entstehen – Ende Mai war Spatenstich.

Die neue Konzernzentrale wird in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet, das achtgeschossige Gebäude zwischen Goethestraße und Blumauerstraße will auf rund 25.000 m² Nutzfläche Finanzplatz, moderne Arbeitswelt, öffentliches Angebot vereinen und zusätzlichen Grünraum schaffen. Entworfen wurde das neue Headquarter vom Münchner Architekturbüro Henn, das sich 2019 in einem Wettbewerb gegen 21 teilnehmende Büros durchsetzen konnte.

PLATZ FÜR BEGEGNUNG

Herzstück ist ein Atrium, das fließende Übergänge zwischen unterschiedlichen Bereichen schaffen und starre Bürostrukturen aufbrechen soll. Das Atrium ist dabei als halböffentlicher Raum gedacht, der Platz für Begegnungen und Interaktionen zwischen Kundinnen und Kunden, Besucherinnen und Besuchern, Angestellten und der Öffentlichkeit bieten soll. Gleichzeitig trage das biophile Konzept als bestimmendes Designelement zur Gesundheitsförderung bei, heißt es: Biophilie entlaste das Nervensystem und stimuliere zugleich Aufmerksamkeit und Kreativität. Erreicht werde dies durch die gezielte Integration von Natur mittels Holz-Hybrid-Bauweise, den Indoor-Garden, eine wissenschaftlich fundierte Gestaltung von Oberflächen, Mustern und Materialien sowie die bewusste Raumgestaltung.

HOHE AUFENTHALTSQUALITÄT

Die biophile Architektur schaffe hohe Aufenthaltsqualität, informiert Wiehag, zuständig für die Umsetzung des Holzbaus. Das Projekt sei für das Unternehmen das erste Leuchtturmprojekt dieser Größenordnung im Heimatland – durch die Verwendung von rund 4.600 m³ Brettschicht- und Brettsperrholz werden insgesamt etwa 3.150 Tonnen CO2 langfristig gebunden. Das neue Headquarter sieht zusätzlich ein umfassendes Konzept für erneuerbare Energiegewinnung vor. Dazu gehört nicht nur Photovoltaik, sondern auch Geothermie – das Gebäude kann durch 87 Erdwärmesonden mit bis zu 150 Metern Tiefe und einer thermischen Aktivierung der Schlitzwände und Fundamentplatte über das gesamte Jahr energieautark beheizt und gekühlt werden.

AUFGEBROCHEN

Etwa 5.000 Quadratmeter größtenteils mit Asphalt bedeckter Boden wird im Zuge des Bauprojekts entsiegelt, 53 neue Bäume werden gepflanzt. Mit dem Spatenstich startete die erste Baupase, in der der Spezialtiefbau sowie die Geothermie-Bohrungen im Mittelpunkt stehen. Ab Ende 2027 bis Anfang 2028 startet der Hochbau in Holz-Hybrid-Bauweise, der Bezug des neuen Gebäudes ist für Herbst 2029 geplant.