Holztreppen – Zwischen digitaler Präzision und handwerklicher Seele

Innenraum, 08.04.26
Adrian Engel
Eine gute Treppe erfüllt mehr als technische Funktionen: Sie ist immer auch Ausdruck einer Atmosphäre. Ein Gespräch mit Expert:innen zeigt, wie sich digitale Werkzeuge und handwerkliches Können beim Treppenbau ergänzen – und warum es in Zukunft beides braucht.

Sie verbinden nicht nur Geschosse, sondern Räume, Haltungen, Materialien – und oft auch Generationen. Als zentrales Bauelement im Haus prägt die Treppe den Innenraum mehr als viele Fassaden es je könnten. Sie muss stabil sein – und schön. Sicher – und sinnlich. Zwischen CNC-Fräse und Handlauf liegt heute ein weites Feld.

» Handwerkliche Tradition ist kein Gegenpol zur Innovation – sondern ihr Fundament. « Philip Markiewicz, Gesellschafter und Pressesprecher der markiewicz GmbH

Handwerk schafft Haltung

„Für uns bedeutet handwerkliche Präzision viel mehr als nur millimetergenaue Fertigung“, sagt Philip Markiewicz, Gesellschafter und Pressesprecher der markiewicz GmbH in Berlin. „Sie ist Ausdruck unserer Philosophie: kompromisslose Liebe zum Detail, perfekte Proportionen, ein feines Gespür für die Individualität des Kunden.“

Was hier bei markiewicz entsteht, ist also kein Serienprodukt. Während industrielle Verfahren auf Wiederholbarkeit setzen, beginnt bei markiewicz jedes Projekt bei null. „Die Treppe soll den Menschen widerspiegeln, für den sie geschaffen wurde – als Ausdruck von Persönlichkeit und Haltung.“

Dabei bleibt das Handwerk nicht Nostalgie, es erfüllt für Markiewicz eine Qualität, die unersetzbar ist. Es geht hier um Maserungen, haptische Qualität, Materialverarbeitungen. „Ein Geländer, das von Hand geschnitzt wird, bewegt sich in einer völlig anderen Liga“, sagt Markiewicz. Die Philosophie des Berliner Unternehmens ist klar: Es geht hier um eine Kulturtechnik: „Handwerkliche Tradition ist kein Gegenpol zur Innovation – sondern ihr Fundament.“

Digital geplant, analog veredelt

Bei EeStairs, einem international tätigen Treppenspezialisten, gehören hingegen BIM-basierte Planung, 3D-Konstruktion und CNC-Bearbeitung zum Standard. „Wir erreichen eine hohe Genauigkeit bei der Vorfertigung, was die Zeit vor Ort reduziert und die Installation vorhersehbarer macht“, erklärt Andreas Wahsner, Sales Director. Das bringt Effizienz – aber auch Sicherheit: Schnittstellen zu Stahlbau, Glas oder Beton können frühzeitig abgestimmt werden. Kollisionen vor Ort werden vermieden, Kosten bleiben kalkulierbar.

Trotzdem bleibt auch bei EeStairs das Handwerk präsent. „Das haptische und optische Ergebnis hängt nach wie vor von geschickten Händen ab – an den Oberflächen, Kanten, Verbindungen“, sagt Andreas Wahsner. Für EeStairs ist Technologie kein Selbstzweck, sondern Mittel zur Innovation. Etwa bei Freiform-Geometrien: „Insbesondere im gerundeten, steigenden Bereich eröffnet die 5-Achs-Bearbeitung neue gestalterische Möglichkeiten, die früher kaum realisierbar gewesen wären.“

» Optimiertes Schneiden reduziert Abfall, genaue Vorfertigung minimiert Nacharbeiten, gute Logistik senkt Emissionen. « Andreas Wahsner, Sales Director EeStairs

Nachhaltigkeit durch optimiertes Schneiden

Nicht unerheblich: Moderne Fertigungstechniken zahlen auch auf ökologische Ziele ein. „Optimiertes Schneiden reduziert Abfall, genaue Vorfertigung minimiert Nacharbeiten, gute Logistik senkt Emissionen“, so Wahsner. Und: Langlebigkeit entsteht durch Präzision. Passgenaue Verbindungen bedeuten weniger Verschleiß. Bei den Materialien setzt EeStairs auf Multiplexträger mit Echtholzfurnieren – das würde Ressourcen gegenüber Vollholz schonen.

Auch markiewicz achtet mit CNC- sowie 3D-Bearbeitung auf die Vermeidung von Materialüberschuss – mit dem Unterschied, dass das Berliner Unternehmen den Fokus auf die Ausführung von Hand legt. „Wir verarbeiten alle Hölzer in ihrer Vielfalt nach Kundenwunsch. In einigen Villenprojekten überlässt uns die Bauherrschaft die Konzeption der Treppenaufgänge jedoch vollständig. Wir greifen dann die im Interior bemusterten Holzarten, Qualitäten und Oberflächenveredelungen auf, um ein schlüssiges Gesamtbild zu schaffen.“

Das Zusammenspiel entscheidet

Holztreppen sind längst nicht mehr nur Aufstiegshilfen. Sie sind gestalterische Mitte, akustischer Resonanzkörper, handwerkliche Bühne – und digitale Präzisionsarbeit zugleich. Wer nur auf CNC setzt, verliert vielleicht Atmosphäre. Wer nur auf Handarbeit setzt, verliert eventuell den Anschluss. Handwerk gewinnt nach wie vor an Bedeutung und im Idealfall ergänzen es neue Technologien. Der Weg nach oben beginnt mit einem gelungenen Gleichgewicht – ganz abgestimmt auf das jeweilige Projekt.

BEST PRACTICE

EeStairs, Projekt Novartis, Rueil-Malmaison

Für den Hauptsitz eines der größten Pharma­unternehmen weltweit hat EeStairs eine spiralförmige, acht Tonnen schwere Treppe gestaltet. Besondere Herausforderung: Die Deckenuntersicht aus FSC-zertifizierten-Holz-Paneelen. EeStairs erhielt den Auftrag, weil das Unternehmen Stahl- und Holzelemente in einer einzigen, qualitätskontrollierten Produktionsstätte anfertigen kann.
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markiewicz, Projekt Alpen­residenz Crans Montana

Für eine Residenz in den Bergen realisierte markiewicz ein besonderes Treppenprojekt mit organischen Formen. Die Herausforderung bestand vor allem darin, die alpine Natur­kulisse in den Innenraum zu bringen und dabei eine Balance zwischen Modernität und Natur zu schaffen. Die Fließenden Linien erinnern an Ranken und die alpine Flora.
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