Loslassen unter der Holzdecke

Architektur, 21.05.24
Adrian Engel
Das neue Spa im Salzburger Fünf-Sterne-Hotel Krallerhof verbindet High-Level-Wellness mit organischem Design. Hauptverantwortlich für die entspannende Atmosphäre: eine Decke mit 6.400 gefrästen Holzlamellen aus Lindenholz.

Am Ende belohnte sich das Projektteam mit einer riesigen Party: Inmitten der Salzburger Bergwelt versammelten sich im Juni 2023 an einem warmen Sommerabend rund 170 Gäste aus aller Welt, um das feierliche Grand Opening von „ATMOSPHERE by Krallerhof“ im renommierten Hotel Krallerhof zu erleben. Endlich war es geschafft: Das außergewöhnliche Spa, entworfen von Stararchitekten Hadi Teherani, konnte im kleinen Ort Leogang eröffnet werden. Der zweite Star des Abends: der Baustoff Holz.

Das Spa im Krallerhof ist nicht nur ein Ort der Entspannung, sondern auch ein architektonisches Highlight, das die Möglichkeiten des Holzbaus auf eindrucksvolle Weise demonstriert. Die puristisch reduzierte Bauweise aus Glas, Holz und Sichtbeton schafft eine natürliche und einladende Atmosphäre für die Sinne. Das Herzstück des Entwurfs vom Hamburger Architekturbüro: eine Holzlamellendecke. Dabei setzen die Verantwortlichen ganz auf lokales Holz. Linden-, Eschen- und Eichenholz verleihen dem Spa eine warme und organische Ästhetik, die mit der umgebenden Landschaft verschmilzt.

Digitale Planung als Schlüsselfaktor

„Um die komplexe Geometrie innerhalb des straffen Zeitrahmens präzise umzusetzen, wurde ein detaillierter digitaler Zwilling als parametrisches Modell entwickelt“, sagt Projektleiter Patrick Hesse. Die rein digitale Planung ist neben dem klaren Bekenntnis zum Holz wohl der zweite große Erfolgsfaktor des Bauprojekts. Durch die enge Abstimmung mit den ausführenden Firmen und Fachplaner:innen wurden Toleranzen, Verformungen und der Bauablauf exakt eingeplant. Basierend auf dem digitalen Modell konnten die Firmen ohne lokale Vermessung die Materialen bestellen und Bauteile wie etwa Glas im Voraus fertigen lassen. „Um die Zeitvorgaben noch weiter zu verkürzen, wurden die Bauteile der Attika und der Lamellendecke speziell an die Fertigungsprozesse und Werkzeuge der Firmen angepasst und modelliert. Dadurch konnten sie direkt für die Werk- und Montageplanung sowie die Fertigungsplanung genutzt werden“, sagt Patrick Hesse. Diese Anpassungen ermöglichte nur die parametrische Entwicklung des Modells, das die IT-Mitarbeiter:innen durch eigens programmierte Erweiterungen ergänzten, um die am Markt verfügbaren Tools zu präzisieren.

Aus holzarchitektonischer Perspektive sticht die geschwungene Dachkonstruktion des Spas hervor. Hierfür haben die Konstrukteur:innen 6.400 gefräste Holzlamellen aus Lindenholz eingearbeitet – umgerechnet rund 35 km. „Wir sind besonders stolz darauf, für dieses Großprojekt fast ausschließlich mit regionalen Firmen, Ressourcen und Materialien gearbeitet zu haben. Und so nicht nur einen architektonischen Meilenstein erschaffen zu haben, sondern auch einen wirtschaftlichen Impuls für den Salzburger Raum“, sagt Geschäftsführer Gerhard Altenberger.

Natur als Designprinzip

Die Lamellendecke erstreckt sich über eine Länge von 100 m und fügt sich damit nahtlos in den Grünraum des Außenbereichs ein. Das Holzspiel der Konstruktion verleiht dem puristischen Bauwerk eine Dynamik und sorgt für eine harmonische Verbindung zwischen Innen und Außen, zwischen Natur und Mensch. Die Linienführung des Designs folgt dem goldenen Schnitt – ein Längenverhältnis, das Harmonie erzeugen möchte und somit einen roten Faden darstellt, der sich durch das gesamte Projekt zieht. Die Materialien, Formen und Farben spiegeln wider, was sie umgibt, und sind regional und nachhaltig.

Für den Chefdesigner Hadi Teherani ist „ATMOSPHERE by Krallerhof“ ganz bewusst als „Entwurf entstanden, der sich der Natur unterordnet, aber dennoch präsent ist“. Natur und Landschaft sollten in der Gestaltung eine entscheidende Rolle spielen, das war von Anfang an klar. Der Fokus auf heimische Materialien war daher nur logische Konsequenz.

„Von außen bewusst unauffällig, besteht der Eingriff in der Anordnung einer intramuralen Box, die zwei Reihenwohnungen umschließt, deren Typologie mit dem von der bestehenden Struktur vorgegebenen Raster in Dialog tritt.“ – Jonas Christe, cBmM Architectes

Im Fluss mit der Landschaft

Insgesamt entstand ein lichtdurchfluteter und sehr offener Raum. Zwar war es sein erster Entwurf für ein Spa, doch die Idee für das Design hatte Teherani sofort im Kopf. „Wir haben im Krallerhof gegessen. Ich habe nach außen geblickt und die Idee war für mich völlig klar: Ich wollte bei diesem Projekt die Energieflüsse laufen lassen, die Natur einbinden. Mit anderen Worten: ein Gebäude kreieren, das sich dieser wunderbaren Landschaft unterordnet, aber trotzdem präsent ist“, beschreibt Teherani seine Inspiration.

Auch im Innenraum des Spas spielt Holz eine Hauptrolle. Die großzügigen Saunen, Ruheräume und Wasserflächen sind mit Holzelementen gestaltet, die eine warme und gemütliche Atmosphäre schaffen. Der 50 m lange Infinity-Pool, eingebettet in einen 5.500 m2 großen Natur-Badesee, lädt die Gäste ein, inmitten der Natur zu schwimmen und die Kraft des Wassers zu spüren.

Mit der innovativen Architektur und der gelungenen Integration von Holz setzt das Spa neue Maßstäbe im Bereich des nachhaltigen Bauens und zeigt eindrucksvoll, welche neuen Möglichkeiten und ästhetischen Potenziale in diesem traditionsreichen Baustoff stecken.

Daten & Fakten

  • Bauherr:in & Grund­eigentümer:in: Hotel Krallerhof Altenberger GmbH & Co. KG, Leogang
  • Architektur: Hadi Teherani Architects GmbH, Hamburg
  • Statik: Alfred Brunnsteiner ZT GmbH, Natters
  • Planungsbeginn: 2020
  • Fertigstellung: 2023
  • Nettogrundfläche: 2.150 m² (Innenbereich inkl. Wasserattraktionen)
    5.500 m² (Wasserattraktionen im Außenbereich)
    2.000 m² (Terrassenbereiche)
  • Wärmeschutz:Wärmeschutzverglasung
  • Haustechnikkonzept: TAP Technische Anlagen Planungsteam GmbH, Zell am See
  • Statisches Konzept: Stahltragwerk mit Mittenträger und tragender Fassade
  • Materialkonzept: Stein und Holz in verschiedenen Interpretationen
  • Innenwände: Sichtbeton und Holz
  • Außenwände: gebogene und polygonalisierte Ganzglasfassade und i.T. kerngedämmte Sichtbetonwände
  • Fenster: Dreifach-Isolierverglasung als structural glazing Fassaden; i. T. als PR-/SG-Fassade
  • Dach: begrüntes und begehbares Umkehrdach
  • Fundamentplatte: Stahlbeton
  • Wirtschaftliche Nachhaltigkeit: Verwendung von heimischem Holz, geringe Rodung des Waldes