Mit Buche gedämmt

Technik, 27.07.26
Claudia Stieglecker
Forschende des deutschen Fraunhofer-Instituts für Holzforschung Wilhelm-Klauditz-Institut WKI haben nachgewiesen, dass sich Buchenholz als Holzfaserdämmstoff in Form von Matten oder Schäumen nutzen lässt.

Flexible Holzfasermatten eignen sich für die Wärmedämmung von Gebäuden, etwa als Zwischensparrendämmung oder als Füllstoff für Wärmedämmziegel. Holzfaserdämmstoffe werden derzeit vorwiegend aus Nadelholz hergestellt – aufgrund des Klimawandels, der dadurch verursachten Waldschäden und des damit verbundenen Waldumbaus verändert sich das Rohstoffangebot jedoch ständig. Nadelholz ist möglicherweise nicht immer verfügbar, Buchenholz jedoch steht in größeren Mengen zur Verfügung. Die Forschenden wollten daher herausfinden, ob sich Holzfaserdämmstoffe auch aus Buchenholz herstellen lassen.

GETESTET

Es wurde untersucht, mit welchen Verfahren das Buchenholz zu Faserstoffen für die Herstellung von Dämmmatten sowie von Holzschaum beziehungsweise Holzschaumgranulat aufgeschlossen werden kann. Hierbei wurde unter anderem auch geringwertiges Schadholz eingesetzt, verschiedene Faserherstellungsverfahren wurden getestet. Ein weiterer Aspekt war die Weiterentwicklung der Faserlegung: Die Fasern werden durch Ausrichtung als Fließ gestreut, damit kann die Wärmeleitfähigkeit gesteuert und eine gute Dämmwirkung erzielt werden. Die Forschenden fanden laut Fraunhofer WKI heraus, dass die thermische Leistungsfähigkeit der Matten im Vergleich zu etablierten Dämmmaterialien wettbewerbsfähig ist.

UNTERSUCHT

Ergänzend wurden Brandschutzmittel evaluiert – dabei zeigte sich, dass eine Zugabe von Ammoniumsulfat ein geeigneter Standard ist. Untersuchungen zu mechanischen, hygrischen und brandschutztechnischen Eigenschaften bestätigen die prinzipielle Eignung der Buchenholzdämmstoffe für den Einsatz in gefüllten Hochlochziegeln und auf der Baustelle, so das Fraunhofer WKI. Als konkretes Anwendungsbeispiel wurden lochbildabhängige Ziegel mit Matten, lochbildunabhängige Ziegel mit Holzschaumgranulat und Holzfasersuspensionen gefüllt und praktisch erprobt.

GETRENNT

Die gefüllten Ziegel lassen sich außerdem nach dem Rückbau mechanisch aufschließen: Die Füllungen können vom Ziegelmaterial getrennt , die zurückgewonnenen Dämmstoffmatten dann zu dichten Holzwerkstoffplatten verpresst werden. Damit entsteht ein zweiter Nutzungszyklus und ein recyclinggerechtes Gesamtsystem, das sich prinzipiell in etablierte Baustoff-Recyclingströme integrieren lässt. Die Nutzung von Buchenholz für die Herstellung von Holzfaserdämmstoffen sei ein wichtiger Schritt zur Sicherung und Verbreiterung der Rohstoffbasis mit Blick auf den klimawandelbedingten Waldumbau, betont das Fraunhofer WKI.