Inklusives Arbeitszentrum aus Holz

Architektur, 27.10.26
Marlies Forenbacher
In der Pariser Vorstadt Villejuif fügt sich der Holzskelettbau der Produktionsstätte ESAT gleichzeitig markant und sensibel in einen uralten Baumbestand ein. Offene, lichtdurchflutete Werkstätten und Begegnungszonen prägen den kantigen Gebäudekomplex und demonstrieren, wie integrative, respektvolle Planung Wohlbefinden und Konzentration fördern kann.

Im Zuge des Stadterneuerungsprozesses in Villejuif, einer Vorstadt südlich von Paris, wurde im nördlichen Teil des beliebten Lozaits-Gebiets die Anlage ESAT errichtet. ESAT steht für Établissement et service d’accompagnement par le travail Lozaits-Seguin und ist eine Einrichtung und arbeitsbegleitende Betreuung für rund 150 Menschen mit Behinderung. Inmitten eines Parks mit jahrhundertealtem Baumbestand entwickelte das Pariser Architekturbüro DREAM das soziale und solidarische Projekt mit Kreativ- und Gestaltungswerkstätten, einem Café, Logistikbereichen sowie Büros auf 3.750 Quadratmetern.

Barrierefrei

Die komfortablen, hellen und barrierefreien Räumlichkeiten bilden einen Kon­trast zu den zweckmäßigen Wohnblöcken, die das Viertel prägen. Die Werkstätten im Zentrum des beliebten Stadtviertels sollen Menschen mit Beeinträchtigung dabei unterstützen, ein Berufsleben aufzubauen, das ihren Fähigkeiten entspricht. Im Gegensatz zur Dominanz vom Beton der umgebenden Architektur entschied man sich bei dem Neubau bewusst für den Einsatz von Holz in Konstruktion und Verkleidung. Um den besonderen Bedürfnissen gerecht zu werden, legte der architektonische Entwurf den Schwerpunkt auf die Ergonomie der Räume und fördert so das psychische Wohlbefinden. Der polygonale Grundriss folgt den unregelmäßigen Konturen des Grundstücks von Ost nach West. Die vorwiegend geschlossenen Bauteile im Norden beherbergen die Werkstätten und Produktionsräume, die durch die Ausrichtung vor Überhitzung geschützt werden. Der zentrale Entwurfsgedanke, maximalen Einfall von Tageslicht und Transparenz zu ermöglichen, wird durch Pultdächer und Oberlichtbänder gewährleistet, die die markante ­Auß­en­­­­­­­­­­­­­­­­­wirkung prägen.

Um den Herausforderungen in Bezug auf Wohlbefinden und Komfort gerecht zu werden, wurde besonderes Augenmerk auf die Akustik gelegt, deren psychosomatische Auswirkungen oft unterschätzt werden“, erläutert Studio DREAM die Entwurfs­entscheidungen. Grobspanplatten als Wandverkleidung wirken temperatur- und feuchteausgleichend und sorgen für ein angenehmes Raumklima. Das Feedback der Nutzer:innen bestätigt die positive Wirkung der Holzfaserverkleidung auf Wohlbefinden und Konzentrationsfähigkeit.

Die Anlieferung befindet sich im Zen­trum des Gebäudes. Als überdachter und großzügig verglaster Hybridbereich dient die Logistikzone gleichermaßen dem Austausch, der Bewegung und der Begegnung. Neben den Werkstätten finden im Erdgeschoss Verwaltungsräume und ein Café Platz.

»Das Produktions­zentrum mit seinen Werkstätten, das Herzstück des ESAT, bildet ein unverwechselbares ­Gebäude mit einer ­markanten Silhouette und natürlichen ­Materialien im Herzen des Stadtviertels.« DREAM

Beruhigend

Die vielseitig nutzbaren, offenen und flexiblen Werkstatträume wurden mit anpassbaren Deckenhöhen konzipiert, um sich je nach Bedarf weiterentwickeln und anpassen zu lassen. Die Anordnung der Werkstätten ergibt eine Raumfolge ohne Flure. Durchflutet mit Tageslicht sorgt der sichtbare Einsatz von Holz im Inneren für eine warme, beschützende Atmosphäre „Um den Herausforderungen in Bezug auf Wohlbefinden und Komfort gerecht zu werden, wurde besonderes Augenmerk auf die Akustik gelegt, deren psychosomatische Auswirkungen oft unterschätzt werden“, erläutert Studio DREAM die Entwurfs­entscheidungen. Grobspanplatten als Wandverkleidung wirken temperatur- und feuchteausgleichend und sorgen für ein angenehmes Raumklima. Das Feedback der Nutzer:innen bestätigt die positive Wirkung der Holzfaserverkleidung auf Wohlbefinden und Konzentrationsfähigkeit. Die Anlieferung befindet sich im Zen­trum des Gebäudes. Als überdachter und großzügig verglaster Hybridbereich dient die Logistikzone gleichermaßen dem Austausch, der Bewegung und der Begegnung. Neben den Werkstätten finden im Erdgeschoss Verwaltungsräume und ein Café Platz.

Wirtschaftlich

Konstruktiv erhebt sich ein Holzskelettbau auf einer Fundamentplatte aus Beton. Tragende Elemente im Außenraum wurden aus unbehandeltem Brettschicht­holz aus Douglasie gefertigt, konstruktive Elemente im geschützten Innenraum aus unbehandelter Fichte. Dies vereint langfristige Haltbarkeit mit Wirtschaftlichkeit. Um die Lebensdauer der Fassade zu maximieren, wurden die Bretter nicht nur vertikal angeordnet, sondern auch druckimprägniert. Die vorgefertigten Holzrahmen mit einer Verkleidung aus Douglasie wurden vergraut, um einer unregelmäßigen Alterung vorzubeugen. Als Kontrapunkt zu seinem städtischen Kontext bildet das Produktionszentrum mit seinen Werkstätten ein unverwechselbares Gebäude mit markanter Silhouette und natürlichen Materialien im Herzen des Stadtviertels. Die Architektur, die auf Wohlbefinden und Gesundheit ausgerichtet ist, wird von der Gemeinschaft positiv angenommen und dient als soziales Vorzeigeprojekt.

Daten & Fakten

  • Architektur: DREAM
  • Projektleiter: Julien De Speville, Claire Parrotin
  • Design-Team: Bollinger+Grohmann / LMP Conseils / Now Here Studio / Sinteo / VPEAS
  • Baufirma: SICRA / Elio (Holzverkleidung) / Arbonis (Holzkonstruktion)
  • Standort: Les Lozaits, Villejuif (94), Frankreich
  • Fertigstellung September: 2023
  • Bebaute Fläche: 3.570 m²
  • Tragende Bauteile: Holzskelettbau, außen: Douglasie, innen: Fichte
  • Außenverkleidung (Baustoff, U-Wert): Douglasie, autoklaviert mit grauer Imprägnierung von Piveteau
  • Fundamentplatte: Beton
  • Wirtschaftliche Nachhaltigkeit: Verwendung von heimischem Holz,
    geringe Rodung des Waldes