Architektur
Neue Schule für Floridsdorf

Es hätte alles ganz anders kommen können. Nach dem Auszug des Ortho-pädischen Spitals in Wien Gersthof wäre der typische Weg gewesen: Luxuswohnungen bauen. Der denkmalgeschützte Bau aus den 1920er-Jahren hätte sich perfekt dafür geeignet. Doch stattdessen entschied sich die Bundesimmobiliengesellschaft zum Erwerb des Gebäudes und damit für einen anderen Weg: Bestand sichern, Bildung ermöglichen. „Das Gebäude bleibt so der Öffentlichkeit erhalten“, sagt Corinna Toell, Partnerin des ausführenden Architekturbüros Franz&Sue.
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Das Spital ist heute ein Schulcampus. Mit der Umnutzung war auch klar: Es braucht Sportflächen. Zwei Turnhallen. Doch der Ort setzt enge Grenzen. Das gesamte Areal steht unter Denkmalschutz, der Park ist geprägt von 100-jährigen Rotbuchen. Eine direkte Anbindung an das Hauptgebäude war daher ausgeschlossen. „Wir platzierten die Hallen im abgelegenen Teil des weitläufigen Areals. Das verstärkt zusätzlich den Campusgedanken“, sagt Corinna Toell.
Die beiden Baukörper liegen ruhig im Park. Unterschiedlich hoch, teilweise ins Gelände eingegraben, unterirdisch verbunden. „Die Flächenwidmung gab enge Grenzen für die Kubaturen der beiden Hallen“, sagt Corinna Toell. Eine Halle ist ein Normturnsaal, die andere eine Bewegungshalle mit Boulder und Spiegelwand. Für Schüler:innen sind sie fußläufig erreichbar, für Vereine gibt es einen separaten Seiteneingang. Auch Veranstaltungen sind möglich. Sport wird hier Teil des Alltags – und Teil des Quartiers.
Architektonisch reagieren die Neubauten auf den Ort mit Zurückhaltung. Keine große Geste, kein Übertrumpfen der Natur. „Uns war wichtig, dass sich die beiden Turnhallen gut in den weitläufigen Schulpark mit seinen großen alten Bäumen einfügen. Ich finde, das ist uns gut gelungen. Sie stehen wie selbstverständlich unter den großen Rotbuchen und werden mit ihren dunkel lasierten Fassaden auch gut altern“, sagt Corinna Toell.


Konstruktiv setzen die Hallen ganz auf Holz. Ein eingegrabener Sockel aus Stahlbeton bildet die Basis, darüber umfasst eine Holzriegelkonstruktion die großen Räume. Massivholzträger mit 16 Metern Spannweite und Brettsperrholzdecken überspannen die Hallen. Fassaden, Holzmassivwand, Träger und Stützen bestehen aus Fichte, Wandverkleidungen und Böden aus Esche. Das Holz stammt aus Österreich, die Fassade hat Rema Wood verarbeitet.
Die geschuppte, hinterlüftete Holzfassade gliedert die Volumen horizontal. „Die Gestaltung nimmt mit ihren Vorsprüngen Bezug auf die mit Gesimsen strukturierte Fassade des Hauptgebäudes“, sagt Corinna Toell.


» Die Holzpavillons sind unsere zeit- gemäße und nach- haltige Ergänzung des Campus. « Corinna Toell, Architekturbüro Franz&Sue
Wie schnell sich moderne Holzarchitektur weiterentwickelt, zeigt eine Zahl aus dem Bauprozess. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglichte eine Montage auf der Baustelle in nur drei Wochen. Das war aber durchaus mit Herausforderungen verbunden. „Die Lieferung der 16 Meter langen Massivholzwand und der Träger war logistisch sehr aufwändig“, sagt Toell. Auch die Holzfassade wurde als zwei Meter breite Paneele vorgefertigt angeliefert – präzise geplant, effizient montiert.
Geplant wurde mit Archicad. Das Haustechnikkonzept setzt auf Fernwärme, MSR gesteuerte Heiz- und Kühlsysteme, Nachtabkühlung und eine Photovoltaikanlage am Gründach. Das Projekt ist klimaaktiv Gold zertifiziert, ein Rückbaukonzept liegt vor. Nachhaltigkeit zeigt sich hier nicht als Symbol, sondern als feste Struktur.
Was hier in Gersthof entstanden ist, ist kein lauter Neubau. Sondern eine präzise Ergänzung mit Liebe zum Detail. Zwei Hallen, die den Bestand weiterdenken, den Park respektieren und dem Ort etwas zurückgeben: Raum für Bewegung – und ein Stück Stadt, das allen gehört.

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