Holzdecke im Belastungstest

Technik, 03.11.26
Claudia Stieglecker
Forschende der Universität Stuttgart in Deutschland haben ein kompaktes, flexibles und wirtschaftliches Deckensystem für den mehrgeschossigen Holzbau getestet.

Geschossdecken aus Stahl und Beton verursachen rund 40 Prozent der grauen Emissionen von Gebäuden – für komplexe, mehrgeschossige Gebäude fehlte bisher jedoch eine praxistaugliche Alternative. Mit einem Baudemonstrator haben Forschende der Universität Stuttgart jetzt erstmals gezeigt, wie Geschossdecken nachhaltig aus einem neuartigen Holz-Beton-Verbundsystem gebaut werden können. „UniversalTimberSlab“ ist die erste punktgestützte, mehrachsig weit spannende Flachdecke in Holz-Beton-Verbundbauweise und leistungsfähig wie eine Stahlbetondecke, informiert die Universität Stuttgart. Sie könnte zur weiteren Verbreitung des innerstädtischen Holzbaus beitragen, heißt es.

GEWICHTIG

Für den Praxistest im heurigen Juni wurde innerhalb von drei Monaten ein 9 x 5 m großer, vollmaßstäblicher Demonstrator eines zweiachsigen und 8 x 4 m weit spannenden Deckenfeldes realisiert. Mit 36 cm war es so schlank wie eine vergleichbare Stahlbetondecke, benötigte jedoch rund zwei Drittel weniger Stahlbeton. Im Vorfeld wurden computergestützte Berechnungen durchgeführt, um zu untersuchen, wie sich die Deckenkonstruktion unter Belastung verformt und schwingt. Im Test wurde der Demonstrator dann mit insgesamt 20 Tonnen zusätzlich zum Eigengewicht belastet – dabei wurden die Ansprüche an Geschossbauten im Hinblick auf Durchbiegungen und Schwingungen erfüllt.

NEUE MÖGLICHKEITEN

Im Vergleich zu herkömmlichen Holzdeckensystemen, die bei größeren und zweiachsigen Spannweiten Unterzüge benötigen, spare „UniversalTimberSlab“ 30 bis 70 Zentimeter Konstruktionshöhe ein, so die Universität Stuttgart. Bei gleicher Raumhöhe können in einem Gebäude so mehr Geschosse untergebracht werden und die Fassadenfläche reduziert sich um bis zu 20 Prozent. Zusätzlich ergeben sich neue gestalterische Möglichkeiten im Holzbau: „UniversalTimberSlab“ ist punktgestützt, tragende Zwischenwände werden nicht benötigt, Wände lassen sich je nach Bedarf frei anordnen. In Gebäuden mit Mischnutzung lassen sich so unterschiedliche Raumaufteilungen, Flächen können später ohne große Mühe umgeplant werden.

BAUPLAN

Das erste Pilot-Gebäude ist nun in Vorbereitung: Die Stadt Oberkochen im Ostalbkreis plant das „Zukunftsforum“, ein dreigeschossiges, 1.400 m² großes Gebäude in der neuartigen „UniversalTimberSlab“-Bauweise. Das Gebäude soll Ausstellungen, Arbeitsflächen, Makerspaces, Werkstätten und Labore beherbergen.