Holzvertäfelung in altem Glanz

Technik, 13.07.26
Claudia Stieglecker
In Salzburg werden 3D-Scanning-Technologie, computergestützte Fertigung und nachhaltige Holzfaser-Verbundmaterialien eingesetzt, um historische Bausubstanz zu erhalten.

Seit 2017 wird auf der Festung Hohensalzburg intensiv an der Konservierung und Restaurierung der prachtvollen gotischen Fürstenzimmer gearbeitet – im Zuge der Restaurierung der Goldenen Stube wurden neben zahlreichen Arbeiten an Wandflächen, Schnitzereien, Skulpturen und Zierrat zwei Fehlstellen in den Holzvertäfelungen festgestellt. Keines der bisher bekannten Restaurierungsverfahren erwies sich als ideal, diese Schäden zu beheben. Im Rahmen des FH-Projekts EDIH innovATE wurde daher nach möglichen Digitalisierungsanwendungen für die Restaurierung der Holzvertäfelung in der Goldenen Stube gesucht.

DIGITALER ZWILLING

In einem ersten Schritt wurde dabei die Fehlstelle in der Holzvertäfelung mit einem mobilen 3D-Scanner zerstörungsfrei und millimetergenau erfasst. Dabei entstand ein virtuelles Abbild der Fehlstelle: Auf Basis dieser Daten wurde ein digitales Positivmodell – ein sogenannter digitaler Zwilling – erzeugt, die Grundlage, um ein passgenaues Inlay fertigen zu können. Hergestellt wurde dieses Inlay daraufhin mittels FDM-3D-Druck aus einem eigens entwickelten Filament aus nachhaltigen, biobasierten Materialien, darunter natürliche Holzfasern und ein grünes thermoplastisches Bindemittel. Die dabei verwendeten Werkstoffe stammen überwiegend aus Reststoffen der Land- und Forstwirtschaft, so die Salzburger Burgen und Schlösser.

TECHNOLOGIE TRIFFT HANDWERK

Durch die natürlichen Fasern weist das Material hygroskopische Eigenschaften auf und reagiert ähnlich wie massives Holz auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit, heißt es weiter. So seien aus den digitalen Zwillingen Inlays aus nachhaltigen Materialien entstanden, die sich exakt in die bestehende historische Holzoberflächen einfügen würden. Abschließend wurde das digital erstellte und 3D-gedruckte Inlay in klassischer restauratorischer Handarbeit bearbeitet, durch thermische Strukturierung und farbliche Anpassung konnte das Inlay optisch perfekt in das historische Umfeld eingebunden werden.

NEUE WEGE

Aus einer spontanen Idee – nämlich ‚Holz zu drucken‘ – sei ein neuartiger Ansatz zur Ergänzung von Fehlstellen in historischen Holzausstattungen entstanden. Das Projekt vereine Handwerk, Forschung, Technologien sowie Denkmalpflege und eröffne neue unterstützende Wege in der Holzrestaurierung.