Mit Herz und Seele

Architektur, 07.04.26
Marlies Forenbacher
Kopenhagen hat ein neues Gesundheitszentrum bekommen, das die Rehabilitation und Bedingungen von lebensstilbedingten Krankheiten unterstützt. Das dänische Architekturbüro Dorte Mandrup entwickelte ein Gebäude, das von Tageslicht, natürlichen Materialien, Grünflächen und Gemeinschaft geprägt ist und sich ausgehend von einem zentralen Atrium aus entwickelt.

Gesundheit und die uns umgehenden Räume stehen in direktem Zusammenhang, davon ist die dänische Architektin Dorte Mandrup überzeugt. Gebäude und Landschaften prägen Verhalten, Emotionen und damit letztlich unsere Gesundheit. Entsprechend wurde das Centre for Health in Kopenhagen so entworfen, dass körperliche Aktivität gefördert und die Lebensqualität verbessert wird.

___STEADY_PAYWALL___

» Mit dem Centre for Health wollten wir einen Raum schaffen, der nicht nur zur Verbesserung der Lebensqualität der behandelten Menschen beiträgt, sondern sie auch aktiv zu einem gesünderen Lebensstil anregt und befähigt. « Dorte Mandrup, Gründerin und Creative Director des Architekturbüros

Am Eingang des Kopenhagener Stadtteils „De Gamles By” gelegen, ist das neue Gesundheitszentrum Teil eines Gebiets, das seit langem für Pflege, Gesundheit und Wohlbefinden steht. Ursprünglich 1892 als Krankenhaus und Heim für die älteren Menschen der Stadt erbaut, wurden die Architektur und die Landschaft so gestaltet, dass sie eine beruhigende, in sich geschlossene Dorfatmosphäre bieten. Das neue Gesundheitszentrum ist von den charakteristischen Giebelmotiven und Satteldächern der Umgebung inspiriert und bildet gleichzeitig einen zeitgemäßen Kontrast dazu. Bogenförmig öffnet sich das Gebäude zum Garten. Wie eine schützende Haut ziehen sich schwarzbraune Metallbleche vom Dach über die Fassade und trennen die Innenräume von der Straße ab.

Initiiert wurde das Health Care Center von der Stadt Kopenhagen um der wachsenden Nachfrage nach Rehabilitation und Behandlung von Menschen mit Krankheiten wie Typ-2-Diabetes und Herzerkrankungen gerecht zu werden. Es befindet sich in der Nähe vieler umliegender Forschungseinrichtungen und wird eine wichtige Rolle im Leben vieler Kopenhagener spielen, die Pflege benötigen, und gleichzeitig zur Forschung über zukünftige Prävention, Behandlung und Rehabilitation beitragen.

Herz

Im Zentrum des komplexen Gebäudes ist der sogenannte „Herzraum“, ein offener Raum, der durch den skulpturalen Rhythmus von 15 m hohen Holzbögen geprägt ist. „Mit dem Centre for Health wollten wir einen Raum schaffen, der nicht nur zur Verbesserung der Lebensqualität der behandelten Menschen beiträgt, sondern sie auch aktiv zu einem gesünderen Lebensstil anregt und befähigt. Das Design ist in einem integrativen und kooperativen Prozess mit zukünftigen Nutzer:innen, Mitarbeitenden und der zentralen Verwaltung entstanden, wodurch wir Funktionen, Räumlichkeit, Haptik und Materialien untersuchen konnten, die ihren spezifischen Bedürfnissen entsprechen und die Rehabilitation unterstützen,“ erklärt Dorte Mandrup, Gründerin und Creative Director, den Entwurfsansatz. „Ein wichtiger Aspekt war es, Raum für Interaktion und Gemeinschaft zu schaffen, da dieses Gefühl der Zugehörigkeit und Zusammengehörigkeit entscheidend dazu beiträgt, die Behandlung zugänglicher, ansprechender und unterstützender zu gestalten und so langfristige Veränderungen zu fördern.“

Heilsame Räume

Das offene Atrium, geprägt durch die Tragkonstruktion der markanten, hohen Brettschichtholzbögen, dient als zentraler Gemeinschaftsbereich und verbindet wie ein Herz das Gebäude mit seinem Kreislaufsystem, den verschiedenen Funktionen. Die Architektur soll einladend und beruhigend wirken, was durch Grünflächen, Tageslicht, das durch Fassade und Dach einfällt, natürlichen, warmen Materialien und Bewegung erreicht wird. Eine große Holztreppe ist Treff- und Interaktionspunkt, wo spontane Aktivitäten und soziale Begegnungen passieren. Rundherum gruppieren sich Unterrichtsräume, Sportbereiche, Beratungsräume, offene Besprechungsräume und eine Küche für Workshops zum Thema gesundes Kochen. Holzverkleidungen an Wänden und Decken, teils perforiert für verbesserte Akustik, tragen zu einer ruhigen Atmosphäre bei, verbessern die Raumluftqualität und helfen, Stress zu reduzieren.

Das Architekturbüro, das bei den Entwürfen stets die Bedürfnisse seiner Benutzer:innen im Fokus hat, setzte auch bei der Energieversorgung auf Nachhaltigkeit. 164 m2 im Dach integrierte Solarzellen produzieren und speichern erneuerbare Energie. Die Holzkonstruktion im Inneren ist sowohl an der Außenfassade als auch in den tiefen Lamellen, die bis zur Straßenebene reichen und vor Sonneneinstrahlung schützen, deutlich zu erkennen. Zum Garten hin öffnet sich das Gebäude mit einer vollverglasten Fassade, die natürliches Tageslicht hereinlässt und den Innenraum optisch mit den grünen Außenbereichen verbindet.

DATEN & FAKTEN

  • Bauherr:in: Stadt Kopenhagen
  • Architektur: Dorte Mandrup
  • Statik: AB Clausen + Spangenberg & Madsen
  • Landschaftsplanung: Bisgaard Landscape
  • Planungsbeginn: 2019
  • Baubeginn: 2022
  • Fertigstellung: November 2024
  • Statisches Konzept: Gelenkig verbundene, bogenförmig angeordnete Brettschichtholztäger
  • Soziale Nachhaltigkeit: Integrativer, kooperativer Prozess mit Nutzer:innen, Mitarbeitenden und Verwaltung um Funktionen, Räume und Materialien den spezifischen Bedürfnissen anzupassen und die Rehabilitation zu unterstützen; zentrale Gemeinschaftsbereiche für soziale Begegnungen und Aktivitäten
  • Außenverkleidung: Metallblechverkleidung der Außenwände
  • Innenverkleidung: Holzverkleidung
  • Fenster: Vollverglaste Fassade
  • Dach: Metallfalzdach
  • Photovoltaik: 164 m2 im Dach integrierte Solarzellen für Heizen, Kühlen sowie Warmwasser